Auf den Spuren der Schrift: Drucken wie vor 150 Jahren

Drucken wie Johannes Gutenberg im Mittelalter? Diese und weitere Tätigkeiten konnten die Klasse 4a der Adolf-Reichwein-Schule Frankfurt als ZING-Reporter zusammen mit ihrer Lehrerin Jana Hartmann im Kindermuseum Frankfurt ausprobieren. Empfangen und geführt wurden sie von der museumspädagogischen Mitarbeiterin Simone Brehmer. Sie ist zuständig für Führungen und Workshops in der aktuellen Werkstatt-Ausstellung Schrift:stellen & Zeichen:setzen. Vom Schreiben, Drucken, Dichten.

Schrift:stellen & Zeichen:setzen. Vom Schreiben, Drucken, Dichten.

Frankfurt. Wussten Sie, dass das erste Buch der Welt, das gedruckt wurde, die Bibel war? Im 15. Jahrhundert erfand der Mainzer Johannes Gutenberg die Druckerpresse mit beweglichen Lettern. „Damit konnte er in zwei Jahren ca. 180 Bibeln drucken“, erklärte Simone Brehmer den kleinen Reportern. Zuvor konnte es bis zu drei Jahren dauern ein Buch fertigzustellen. „Durch die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern wurden dann auch Flugblätter und Zeitungen gedruckt“, ergänzt Brehmer. Mit diesem Verfahren wurde noch bis 1970/ 80 gedruckt. Gutenbergs Holzpresse gibt es heute nicht mehr. In der Druckwerkstatt des Kindermuseums ist eine ca. 150 Jahre alte Kniehebelpresse aus Metall ausgestellt. Hier kann das weiterentwickelte Druck-Verfahren ausprobiert werden.

Das Originalstück wiegt über 1,5 Tonnen und ist das Highlight der aktuellen Ausstellung. Doch das Verfahren ist gar nicht so einfach: Zunächst müssen die kleinen Lettern aus Blei spiegelverkehrt von links nach rechts eingesetzt werden. „Also muss man beim Drucken alles falsch herum setzen!“, stellt Can Da Silva Chaparro fest. Diese Aufgabe wurde von den Fachkräften des Museums zum Glück bereits übernommen. Denn das Einfügen der einzelnen Buchstaben bzw. Lettern für zwei Buchseiten bedarf über einen halben Tag! Das Drucken selber ist dagegen schon fast ein „Kinderspiel“, wie einige Kinder der Klasse 4a erleben durften.

 

Dafür färbt man alle Buchstaben mit einer Gummiwalze ein. Anschließend wird ein Blatt Papier vorsichtig auf die eingefärbte Druckform gelegt. Hier muss besonders sorgfältig gearbeitet werden. Damit der Druck nicht verschmiert aussieht, darf das Papier auf der Form nun nicht mehr verrutschen. Der Karren, auf dem die Druckform liegt, wird nun unter die Metallpresse gekurbelt. Mit dem Hebel wird der schwere Tiegel auf das Papier gedrückt. Dafür benötigt man viel Muskelkraft! Abschließend wird der Karren wieder heraus gekurbelt und man erhält zwei bedruckte Blätter. Die Schrift kann nun von links nach rechts wie in einem Buch gelesen werden!

Autoren: Elijah Sauer, Emilia Spieske, Lea Hraoui-Kirkpatrick, Milan Vukmirovic, Rulin Ciftci

 

Ausprobieren und Selbermachen

Neben der Druck-Werkstatt bietet die derzeitige Ausstellung weitere Möglichkeiten zum Ausprobieren und „Selbermachen“ an: Im Bereich der Zeichensysteme können geheime Botschaften entziffert oder Codes wie Morsezeichen erforscht werden. Hier ist auch die ENIGMA von 1940 ausgestellt. Mit dieser Maschine wurden im Zweiten Weltkrieg geheime Nachrichten verschickt. In der Schreibstube können Besucher ihr Geschick, in kalligrafischer Schrift zu schreiben,  unter Beweis stellen. An PC-Schreibspielen werden Buchstaben zum typografischen Gestalten verwendet. So kann z.B. aus den Buchstaben v, o und i eine bunte Eistüte entstehen.

Doch wie entsteht so eine Ausstellung im Kindermuseum? Dafür müssen die Experten zunächst eine Idee entwickeln. Das Thema der geplanten Ausstellung sollte möglichst viele Besucher interessieren und ansprechen – besonders Kinder. Anschließend wird diese geplant: Zur Gestaltung der Werkstätten müssen passende Materialien ausgewählt werden. Stehen dafür keine Originale zur Verfügung, werden sie von den Mitarbeitern des Museums selber gebaut. Eine wichtige Rolle spielt auch die Entwicklung praktischer Aufgaben. Denn das ist das Besondere an einem Kindermuseum, wie Brehmer erläutert: „Ein normales Museum ist für Kinder ja oft ‚langweilig‘. Da kann man nicht viel machen. Die Exponate sind zwar oft ähnlich wie in anderen Museen. Aber sie sind speziell für Kinder gedacht. Hier kann man Sachen anfassen und ausprobieren.“ Das Kindermuseum Frankfurt in der Zwischenebene der Hauptwache war das erste seiner Art. Nach seinem 20-jährigen Bestehen steht demnächst ein Umzug zurück ins Historische Museum an.

Autoren: Anas Bouda, Can Da Silvia Chaparro, Johanna Schwab, Jesse Kabangu, Lara Launhardt, Lina El Harrab, Manal Allaui, Salma Ez-Zahid, Yassin Allaui, Yosuira Aaqui Kaddour

Brehmer im Interview

In einem Interview erfuhr die Klasse 4a, dass Simone Brehmer seit April 2015 im Kindermuseum arbeitet. Am Kindermuseum fasziniert sie, dass es generell für Kinder gedacht ist. So kann sie ihre Leidenschaft für Geschichte und Kunst sowie die Arbeit mit Kindern in ihrer Tätigkeit als Museumspädagogin unter einen Hut bringen. Brehmer bietet im Museum Workshops und Führungen an. In ihrem Lieblingsbereich – der Druckerwerkstatt mit der Kniehebelpresse – kann sich die 26-jährige entfalten. Sie berichtet, dass es heute nur noch wenige Schriftsetzer und Buchdrucker gibt. „Natürlich kann der Berufsalltag auch anstrengend sein. Manchmal ist es sehr voll und laut. Ich muss auch lange stehen und viel reden“, erläutert Simone Brehmer. An besondere Besucher kann sich Brehmer auch erinnern: „Der Bürgermeister von Frankfurt war auch schon einmal mit seiner Tochter in der Ausstellung.“ Gerne würde sie auch nach Ende der aktuellen Ausstellung im Kindermuseum bleiben.

Autoren: Alina Petri, Amal Allaui, Ilias El Yatoumi, Naoual Kenzi, Stella Adoma Yeboah

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